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Wer hat das Sandkorn geklaut?

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26 Grad Außentemperatur. Stau. Die Klimaanlage verliert den Kampf mit der Hitze. Meter um Meter geht es vorwärts. Meine Finger trommeln ungeduldig auf dem Lenkrad, während ich meinen Freunden zuhöre, die unserem indischen Mitfahrer auf Englisch erklären, warum wir gerade vier Nächte auf dem Boden von Messehallen verbracht haben. Vom YiM kommen wir auf 1844. Die Waldenser. Irgendwann sind wir bei der Sintflut angekommen und ich habe den Faden verloren. Ein paar hundert Kilometer sind irgendwie doch zu kurz.

Entfernungen. Diese Erinnerung schießt mir durch den Kopf, als der Stau endlich vorbei ist. Was hatte Thomas Knirr uns noch mitgegeben? Wie viel war nochmal ein Lichtjahr? 9,64 Billionen Kilometer (Danke Google). Ich müsste also 6,5 Milliarden Jahre jedes Mal zum YiM fahren, um auch nur ein Lichtjahr zu fahren – großzügig um ein paar Millionen Kilometer gerundet. Und ich wohne in Hamburg.

Als diese Dimensionen sich in der Abschlussansprache vor uns entfaltet haben, ist mir eine Frage durch den Kopf geschossen: An was für einen Gott glaube ich da eigentlich? Wer ist dieses Wesen, zu dem ich spreche? Und was bin ich überhaupt im Vergleich zu dieser Unendlichkeit? Seien wir doch mal ehrlich: Wären es gleich ein paar Welten mehr gewesen, die er geschaffen hätte, dann hätte sich der Aufwand vielleicht gelohnt. Wäre effizient gewesen.

Aber du und ich wissen: Gottes Effizienz muss irgendwie anders aussehen. Er hat diesen Radar, der es bemerkt, wenn ein Sandkorn am Strand verloren geht. So findet er inmitten von unzählen Lichtahren ein Sandkorn. Uns. Ein sehr eigensinniges Sandkorn, dessen Bewohner das große ICH BIN ans Kreuz schlagen, als er es suchen geht. Manchmal denke ich, Gott muss vollkommen verrückt geworden sein. Wie kann man auf die Idee kommen, die eigene Existenz zu riskieren, um etwas zu retten, dass sich gar nicht retten lassen will?

Ich habe lange Zeit, um nachzudenken auf dieser Heimfahrt. Und trotzdem fällt mir nur eine Antwort ein. Liebe. Völlige, bedingungslose Liebe, die lieber das eigene Dasein in die Waagschale wirft, als die Ewigkeit ohne mich zu verbringen. Ohne dich.

Darum geht es doch eigentlich, wenn wir auf Kongresse fahren, Lieder singen, Menschen von Gott erzählen, oder? Um unseren Gott. Um seinen Plan. Und so muss ich mir keine Sorgen mehr darum machen, ob Gott meine Schlachten schlägt. Die Frage ist einzig und allein, ob ich denn in seiner Schlacht dabei bin.

„Someone doesn´t pay an infinite price for someone that they don’t feel is worth an infinite price.
God is not crazy.
He knows what you can become, because he made you to become that”
(Dee Casper)

Written by Sofia Nelles on Tuesday, 23 April 2019.
Posted in YiMC 2019